Die Smartwatch meldet Stress
Weisst du eigentlich, was die Heart Rate Variability, kurz HRV, bedeutet?
Viele Smartwatches zeigen sie an. Ein grüner Balken heisst: alles gut. Ist der Wert tiefer, meldet sich die Uhr. Du bist vermutlich gestresst.
Aha.
Und jetzt?
HRV bedeutet Herzratenvariabilität. Es beschreibt, wie stark die Abstände zwischen deinen Herzschlägen variieren.
Ein gesundes Herz schlägt nämlich nicht ganz regelmässig wie ein Metronom. Es passt sich laufend an. Diese Anpassungsfähigkeit zeigt, wie flexibel dein Nervensystem reagiert.
Unser Herz, die Atmung oder auch die Verdauung werden vom vegetativen Nervensystem gesteuert. Also von dem Teil, den wir nicht bewusst kontrollieren. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Vagusnerv. Er reguliert körperliche Reaktionen auf Stress und ist mitverantwortlich für soziales Verhalten und unsere Bindungsfähigkeit.
Der Neurowissenschaftler Stephen Porges beschreibt in seinem Modell der Polyvagaltheorie drei Zustände dieses Systems: Ventraler Vagus, Sympathischer Zustand und Dorsaler Vagus.
Der ventrale Vagus - verbunden und sicher
Dieser Zustand entsteht, wenn wir uns sicher fühlen.
Der Puls ist normal. Die Muskeln sind weder angespannt noch schlaff.
Wir fühlen uns ruhig, interessiert, vielleicht sogar kreativ. Wir sind präsent.
Der Sympathikus - aktiviert
Manchmal schaltet unser Körper einen Gang hoch.
Der Puls steigt. Die Muskeln spannen sich an. Wir sind energiegeladen, wach, bereit zu handeln.
Wenn wir uns dabei sicher fühlen, erleben wir Motivation und Tatkraft.
Fühlen wir uns jedoch unsicher oder bedroht, kippt derselbe Zustand in Stress, Nervosität oder Angst, in Kampf oder Flucht.
Und Bedrohung heisst nicht gleich, dass ein hungriger Löwe vor mir steht.
Manchmal reicht ein scharfer Ton des Gegenübers, ein kritischer Blick oder das Gefühl, nicht zu genügen.
Der dorsale Vagus - der Rückzug
Und manchmal fährt das System herunter.
Der Puls wird ruhiger. Die Energie sinkt.
Wenn wir uns sicher fühlen, kann das wohltuend sein. Ruhig. Entspannt. Vielleicht etwas verträumt.
Fühlen wir uns aber bedroht, reagieren wir mit Rückzug. Mit innerem Abschalten, mit Hoffnungslosigkeit, Einsamkeit oder depressiver Verstimmung.
Eine gute HRV bedeutet, dass dein System flexibel zwischen diesen Zuständen wechseln kann.
Ist sie länger tief, kann das ein Zeichen sein, dass du festhängst. Vielleicht dauernd im Alarm oder länger im Rückzug. Nicht, weil du etwas falsch machst, sondern weil dein System viel trägt.
Der erste Schritt ist nicht Optimierung, sondern Bewusstwerden:
In welchem Zustand befindet sich mein Nervensystem gerade?
Allein diese Frage verändert etwas.
Und dann ist da noch die Uhr. Sie sagt dir, wie du geschlafen hast, wie hoch dein Stresslevel ist und wie schnell dein Herz schlägt. (Es gibt sogar Matratzen, die alles messen…)
Aber sie ersetzt nicht dein eigenes Spüren.
Vielleicht ist die wichtigere Frage nicht: Was sagt meine Uhr?
Sondern: Was nehme ich wahr?
Was sagt mein Körpergefühl?
Wenn du ein Gespür für deine eigenen Körpersignale entwickeln oder sie besser regulieren möchtest, begleite ich dich gerne dabei. Melde dich für einen unverbindlichen Termin -> Kontakt oder erfahre mehr über mein Angebot.

