Wenn du andere gut spürst – aber dich selbst weniger

Manche Menschen haben ein feines Gespür für ihr Gegenüber. Sie merken schnell, wie es jemandem geht. Sie spüren Stimmungen im Raum, achten darauf, was andere brauchen, oft noch bevor es ausgesprochen wird.

Und von diesen Menschen höre ich in meiner Arbeit immer wieder Sätze wie:

„Ich weiss oft gar nicht so genau, wie es mir selber geht.“
„Ich merke erst spät, dass mir etwas zu viel ist.“
„Ich funktioniere einfach.“

Vielleicht kommt dir das bekannt vor.

Dieses Muster ist nichts „Falsches“. Im Gegenteil. Die Fähigkeit, andere gut wahrzunehmen, ist kostbar. Sie schafft Verbindung und hilft in Beziehungen, im Alltag, im Beruf. Allerdings ist der Blick nach innen schwach geworden, so dass die Wahrnehmung des Aussen und des Innen aus dem Gleichgewicht geraten ist. Ein möglicher Schlüssel, um das besser zu verstehen, liegt in unseren frühen Bindungserfahrungen.

In der Bindungstheorie geht man davon aus, dass Kinder darauf angewiesen sind, mit ihren Bezugspersonen in Verbindung zu bleiben. Diese Verbindung ist existenziell.

Wenn ein Kind erlebt:
Meine Bezugsperson ist da, reagiert auf mich und ist für mich erreichbar, dann entsteht mit der Zeit ein Gefühl von Sicherheit. Das Kind kann sich anlehnen – und sich gleichzeitig auch von dort aus in die Welt hinaus bewegen. Nähe einerseits und Eigenständigkeit andererseits dürfen sich ganz natürlich abwechseln und nebeneinander bestehen.

Nicht alle Kinder machen genau diese Erfahrung.
Manchmal sind Bezugspersonen wenig erreichbar. Vielleicht körperlich zwar anwesend, aber emotional weniger nicht. Sie sind vielleicht selber gerade stark gefordert und mit eigenen Schwierigkeiten beschäftigt.

Das Kind versucht die Verbindung sicherzustellen und reagiert mit Anpassung. Es beginnt zu beobachten. Zu spüren. Sich auf die Bezugsperson auszurichten. Manche lernen dabei auch, ihre eigenen Bedürfnisse zurückzustellen.
Nicht bewusst. Sondern weil es hilft, die Beziehung aufrechtzuerhalten.

Das ist eine kluge und zielführende Strategie. Später im Leben kann genau das aber auch herausfordernd werden.

Wenn wir sehr gut im Aussen sind, aber weniger geübt darin, uns selbst wahrzunehmen, verlieren wir manchmal den Kontakt zu unseren eigenen Grenzen und Bedürfnissen. Wir merken erst spät, dass wir erschöpft sind. Dass uns etwas zu viel wird. Oder dass wir uns eigentlich etwas anderes wünschen würden.

Wichtig ist mir an dieser Stelle: Es geht nicht darum, rückblickend etwas zu bewerten oder Schuld zu suchen. Es geht ums Verstehen.

Kinder finden immer die bestmögliche Lösung in ihrer jeweiligen Situation. Und auch Bezugspersonen handeln aus dem, was ihnen zur Verfügung steht. Wir alle tragen Prägungen in uns, die einmal sinnvoll waren. Und wir tragen auch ganz viel, was uns das Leben erleichtert und uns stärkt. Diese Seiten sind oft weniger sichtbar, weil wir darüber nicht stolpern. Aber sie sind genauso Teil von uns.

Es geht also darum, wieder mehr in Balance zu kommen:

Die feine Wahrnehmung für andere und der Zugang zu dir selbst.

Und vielleicht ist genau das ein erster Schritt:
Nicht nur zu spüren, was im Aussen geschieht, sondern auch wieder etwas näher bei dir selbst anzukommen.

Wenn du merkst, dass dir dieser Zugang schwerfällt und du dir dabei Begleitung wünschst, darfst du dich gerne bei mir melden. Hier kannst du direkt einen Termin buchen:

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