Mut zur Lücke

Perfektionismus zeigt sich für mich oft ganz konkret. Im Anspruch an Ordnung und Leistung. Und gleichzeitig habe ich gelernt: Wir müssen nicht überall perfekt sein. Es lohnt sich, bewusst zu unterscheiden, welche Bereiche mir wichtig sind und bei welchen ich loslasse.

Bei uns zu Hause gibt es Orte, da bleibe ich dran. Die Garderobe ist täglich Thema. Schuhe, Jacken und Rucksäcke gehören weg. Das fordere ich ein. Abfall gehört auch entsorgt. Ein Riegelpapier auf dem Wohnzimmerboden, schmutziges Geschirr auf dem Tisch, das gehört weggeräumt. Daran halte ich fest. Auch wenn es anstrengend ist, für alle Beteiligten.

Im Wohnbereich bin ich entspannter. Da liegen Kissen und Decken oft irgendwo herum. Fussballspielen macht mit Kissen genauso Spass. Und manchen Familienmitgliedern tut eine gewisse Unordnung gut. Wenn nicht alles ständig an seinem Platz sein muss, entsteht Raum zum Leben.

Das Kinderzimmer überlasse ich fast ganz den Kindern selbst. Wenn die Wäsche auf dem Boden liegen bleibt, wird sie nicht gewaschen. Alle paar Wochen mal ermutige ich ein Kind, eine bestimmte Ecke oder ein Tablar im Kleiderschrank aufzuräumen, um mehr Übersicht zu erhalten. Oder ich frage, ob ihm noch klar ist, welche Kleider sauber sind und welche schmutzig. Die Verantwortung bleibt bei ihnen.

Auch bei mir selbst gibt es Bereiche, die mir wichtig sind, und andere, bei denen ich grosszügiger werde. Die Küche sollte übersichtlich sein. Das gelingt mir meist ganz gut. Das Büro hingegen ist chaotischer. Da stapeln sich Pendenzen auf dem Pult, im Regal und manchmal sogar auf dem Boden. Mehr Ordnung würde ich mir wünschen, aber es ist nicht meine oberste Priorität.

Ich übe mich im Mut zur Lücke. Ich überlege mir, wo Ordnung mir wirklich dient und wo ich mit anderen und auch mit mir selbst Kompromisse eingehe. Das nimmt Druck raus. Und es entlastet mich spürbar.

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Amina